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Dezember 1, 2015 - admin

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Gezieltes Vorgehen bei Rauchern


Die negativen Auswirkungen des Rauchens auf die Allgemeingesundheit sind hinlänglich bekannt. Doch wie steht es mit den Auswirkungen des Rauchens auf die Zahngesundheit und hier speziell auf die Auswirkungen auf Implantate (künstliche Zahnwurzeln)?

Das Nikotin des Tabakrauches führt zur Engstellung der Blutgefäße, d.h. zu einer verminderten Durchblutung des Zahnfleisches. Demzufolge ist die Wundheilung in ihrer Leistungsfähigkeit gegenüber einem Nichtraucher deutlich reduziert. Beim Einpflanzen eines Implantates wird eine operative Wunde erzeugt, die beim Nichtraucher in aller Regel komplikationslos abheilt. Beim Raucher kommt es zu Wundheilungsstörungen unabhängig welcher operative Eingriff vorgenommen wird. Insbesondere das Rauchen am Operationstag erhöht die lokale Komplikationsrate auf 40% (Nichteinheilen der Implantate, frühzeitiger Verlust der Implantate etc.)

Wie sollte nun bei Rauchern bei der Implantation vorgegangen werden? Hierbei gibt es zwei Extreme: 1. der Behandler lehnt eine Implantation beim Raucher wegen der hohen Komplikationsrate ab 2. der Behandler sieht keine Probleme nach den Motto „das kriegen wir schon hin“. Wie so oft im Leben ist der goldene Mittelweg die richtige Entscheidung.

Klar ist natürlich, dass  es einen Unterschied macht, ob jemand am Tag fünf oder fünfzig Zigaretten raucht. Aus internationalen Studien weiß man , dass die kritische Grenze bei 10 Zigaretten pro Tag liegt. Liegen weitere Risikofaktoren für eine Implantation vor, so wird man sich eher gegen eine Implantation entscheiden. Zu diesen Risikofaktoren zählen u.a. Alkoholabusus, Diabetes mellitus, Zähneknirschen etc.

Eine vorhandene Parodontitis (bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates) muss wie beim Nichtraucher auch vor der Implantation zwingend durch therapeutische Maßnahmen zum Ausheilen gebracht werden. Rauchen gilt als Risikofaktor für die Entstehung einer Parodontitis, ebenso wie für die Entstehung einer Periimplantitis (das analoge Geschehen am Implantat): gibt der Raucher nach der Implantation das Rauchen nicht auf, so steigert sich die Implantatverlustrate um 30% gegenüber einem Nichtraucher.

Konkretes Vorgehen beim Raucher: eine Antibiotikaprophylaxe perioperativ (vor, während und nach der Implantation) ist zwingend erforderlich. In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass damit die Implantatverlustrate von 14,9% auf 4,7% verringert werden konnte. Das operative Vorgehen muss modifiziert werden: die Implantate sollten nicht offen einheilen (sie sind nach dem Einpflanzen im Mund sichtbar), sondern gedeckt (das Zahnfleisch wird über den Implantaten vernäht, so dass sie nicht sichtbar sind und somit dem Mundmilieu nicht ausgesetzt werden).

Aus einer Multicenterstudie weiß man, dass durch das Rauchen nicht die Osseointegration (knöcherne Einheilung der Implantate) beeinträchtigt wird, sondern das Einheilen im Zahnfleischbereich (verminderte Durchblutung, s.o.). Darüber hinaus sollten folgende aufwendige OP-Techniken beim starken Raucher (mehr als 10 Zigaretten pro Tag) nicht angewendet werden: Sinuslift (anheben des Kieferhöhlenbodens), Bonespreading (aufbiegen und verbreitern eines schmalen Kieferkammes), Augmentation (Knochenaufbau mittels Knochenblock) bei unzureichendem Knochenangebot.

D.h. beim Raucher sollten nur einfache/ risikoarme Implantationen vorgenommen werden. Zusätzlich sollte der Raucher mindestens einige Tage vor und nach dem Einpflanzen der Implantate auf das Rauchen verzichten, zumindest aber deutlich reduzieren, falls er meint auf das Rauchen nicht verzichten zu können. Wird eine Woche vor und acht Wochen nach der Implantation auf das Rauchen verzichtet, verringert sich die Implantatverlustrate von 38,5% auf 11,8%. Damit es beim Raucher nicht nach dem erfolgreichen Einheilen der Implantate zum frühzeitigen Implantatverlust kommt, ist er in ein engmaschiges Recall (regelmäßige Implantatkontrolle) aufzunehmen.

Ideal wäre es, den Raucher soweit zu motivieren, dass er das Rauchen aufgibt, natürlich bereits einige Zeit vor der Implantation. Hierdurch erweist er nicht nur seiner Allgemeingesundheit einen großen Dienst, sondern er hat auch lange Freude an seinen Implantaten. Darüber  hinaus spart er durchaus über 1000 Euro pro Jahr für Zigaretten ein und kann damit über die Jahre verteilt die Kosten für Implantate finanzieren. (Dr. Manfred Mainitz, Rammelsbach)

Download: schadet-rauchen-implantaten