0 63 81 / 23 69

Dezember 18, 2016 - admin

Comments are off for this post.

Prophylaxe bei nächtlichen Atemaussetzern


Als Schlafapnoe bezeichnet man nächtliche Atemaussetzer mit mehr als zehn Atempausen pro Stunde und einer Einzeldauer von mehr als zehn Sekunden, die der Patient selbst nicht bemerkt. Die Schlafapnoe ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, weshalb prophylaktische Maßnahmen schon im Kindesalter sehr sinnvoll sind.

Es gibt in Deutschland geschätzte 1-3 Millionen Menschen, die an einer Schlafapnoe leiden, wobei deutlich mehr Männer als Frauen betroffen sind. Dies führt u.a. tagsüber zu ausgeprägter Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verstärkter Einschlafneigung (erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr) und verringerter psychischer und physischer Belastbarkeit. Nachts führt die Schlafapnoe u.a. zu unregelmäßigem Schnarchen, Schlafunterbrechungen, Bettnässen und verstärktem Schwitzen. Unbehandelt führt die Schlafapnoe zu Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und den entsprechenden lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen.

Ursache der Erkrankung ist eine Verlegung der oberen Atemwege mit erhöhtem Atemwiderstand, indessen Folge die verminderte Sauerstoffsättigung des Blutes über das zentrale Nervensystem zu einer Weckreaktion führt. Die Verlegung der oberen Atemwege kann ihre Ursache im HNO-Bereich haben: u.a. Verkrümmung der Nasenscheidewand, Vergrößerung der Nasenmuscheln und Wucherungen der Rachen- bzw. Gaumenmandeln. Die Ursache kann aber auch im zahnärztlichen Bereich liegen: oberer bzw. unterer Schmalkiefer, zurück gekippte Frontzähne, Unterkieferrücklage, frontal offener Biss (Mundatmung) und  frontaler/seitlicher Kreuzbiss. Diese Kiefer- bzw. Zahnfehlstellungsanomalien führen zu einer rückwärtigen Position der Zunge (bei Unterkieferrücklage) bzw. zur Einengung des Zungenraumes im vorderen Kieferbereich, die die Zunge in eine rückwärtige Lage zwingt. Hierdurch kommt es zu einer Verkleinerung bzw. Verlegung des Atemweges, die letztendlich zum Atemaussetzer führt. Im Erwachsenenalter wird die Rücklage des Unterkiefers und damit die Rücklage der Zunge aus zahnärztlicher Sicht mittels „Zahnspange“ behandelt, die den Unterkiefer und damit die Zunge nach vorne bringt, womit der Atemweg vergrößert wird. Alternativ könnte der Unterkiefer bei Erwachsenen (Kieferwachstum ist abgeschlossen) operativ nach vorne verlagert werden: dies ist eine sehr aufwändige und risikoreiche OP.

Einfacher und effektiver erscheint somit aus zahnärztlicher Sicht die frühe kieferorthopädische Behandlung der ursächlichen Zahn-und Kieferfehlstellungen, um prophylaktisch der Ausbildung einer Schlafapnoe entgegen zu wirken. Bei Kindern ist das Kieferwachstum noch nicht abgeschlossen und somit lässt sich zum Beispiel eine Unterkieferrücklage kieferorthopädisch einfach beheben, womit eine operative Unterkiefervorverlagerung (s.o.) im Erwachsenenalter nicht erforderlich wird. Es ist klinisch nachgewiesen, dass bei Kindern das Schnarchen und die Atemaussetzer durch Beseitigung der Unterkieferrücklage, Vergrößerung des Mundinnenraumes (Beseitigung von Kreuzbissen) etc. behoben werden können. Da aber meist nicht nur eine Zungenfehllage vorliegt, sondern meist auch eine Zungenfehlfunktion, sollte der Zahnarzt unbedingt einen Logopäden zu Rate ziehen, der u.a. durch myofunktionelle Therapie die Zungenfehllage/Zungenfehlfunktion beseitigt. (Dr. Sophie Mainitz Dr. Manfred Mainitz, Rammelsbach)

Download: Kann die Kieferorthopädie bei Schlafapnoe helfen