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März 12, 2017 - admin

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Neuere Studien revidieren alte Einschätzungen


Lange wurden die Volkskrankheiten Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) und Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) als voneinander unabhängige Krankheiten betrachtet. Neuere Studien belegen eindeutig einen wechselseitigen Zusammenhang beider Erkrankungen.

Die Parodontitis hat mehrere Ursachen, wobei die wichtigste Ursache die Plaque (Zahnbelag) ist. Der Zahnbelag entsteht bei ungenügender Zahnpflege. Zuerst entsteht eine Gingivitis (Entzündung des Zahnfleisches) mit Rötung, Schwellung und Neigung zur Blutung bei Berührung. In diesem Stadium ist die Entzündung noch reversibel, das heißt durch akkurate Mundhygiene (Beseitigen der Beläge durch Zähneputzen) verschwindet sie wieder. Unterbleibt eine adäquate Mundhygiene, schreitet die Entzündung in die Tiefe fort. Es kommt zur Ausbildung von tiefen Zahnfleischtaschen mit Zerstörung des Zahnhalteapparates (Knochen, Bindegewebsfasern): Parodontitis. Diese ist nicht mehr durch eine gute Mundhygiene alleine durch den Patienten therapierbar, der Patient benötigt professionelle Hilfe durch den Zahnarzt.

Beim Diabetes liegt ein gestörter Kohlehydratstoffwechsel vor (Regulation des Blutzuckerspiegels). Eine Unterscheidung in Typ I und Typ II ist bei obiger Fragestellung nicht ausschlaggebend und wird deshalb hier nur ausnahmsweise vorgenommen. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Diabetes. Bei weiteren zwei Millionen Menschen vermutet man einen nicht erkannten  Diabetes. Man schätzt, dass jeder sechste Todesfall in Deutschland durch Diabetes und seine Folgeerkrankungen bedingt ist.

Wie wirkt sich Diabetes auf Parodontitis aus?

Diabetes gilt heute als Risikofaktor für Parodontitis. Neuere Studien belegen dies eindeutig: Diabetiker erkranken häufiger an Parodontitis als Nicht-Diabetiker, wobei der Schweregrad der Parodontitis bei Diabetikern im höheren Alter ausgeprägter ist als bei Nicht-Diabetikern.

Das Risiko des parodontalen Knochenabbaus des Zahnhalteapparates steigt insbesondere bei schlecht eingestelltem Blutzuckerspiegel deutlich an. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Zahnverlust.

Wie wirkt sich Parodontitis auf Diabetes aus?

Diabetiker mit Parodontitis weisen eine schlechtere Blutzuckereinstellung auf als Diabetiker ohne Entzündung des Zahnhalteapparates. Zum Beispiel kann eine ausgeprägte Parodontitis beim Typ II Diabetiker die HbA 1c-Werte verschlechtern und somit die Gefahr de Entstehung von Diabetes steigern. Auch wurde nachgewiesen, dass Parodontitis bei Nicht-Diabetikern nach fünf Jahren der Entstehung von Diabetes Vorschub leisten kann.

Obige wechselseitige Beeinflussung von Diabetes und Parodontitis erfordert somit eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Zahnärzten und Ärzten, wobei die Früherkennung von Risikopatienten besonders wichtig ist. (Dr. Sophie Mainitz, Dr. Manfred Mainitz, Rammelsbach)

Download: Hängen Parodontitis und Diabetes zusammen