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Juni 1, 2016 - admin

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Differentialdiagnose ist entscheidend


Zahnverletzungen zählen zu den häufigsten Verletzungen im Gesichtsbereich und sind meist durch Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle oder Sportverletzungen bedingt. Sie erfordern in Abhängigkeit von der Schwere der Fraktur (Bruch) des Zahnes eine unterschiedliche Therapie. Grundvoraussetzung hierfür ist eine exakte Diagnose.

Zu unterscheiden sind Kronen- und Wurzelfrakturen. Die Kronenfrakturen werden unterteilt in:

Zahnschmelzfrakturen

Ist nur ein winziger Teil des Zahnschmelzes frakturiert (abgebrochen) reicht häufig ein Glätten der Bruchränder. Ist ein größerer Teil des Zahnschmelzes abgebrochen, so kann dies sehr gut mittels einer Füllung in Adhäsivtechnik (spezielle Klebetechnik) behoben werden. Alternativ (falls abgebrochener Teil vollständig vorhanden ist) kann das Schmelzfragment wiederbefestigt werden.

Zahnschmelz und Zahnbeinfraktur

Ist ein größerer Teil der Zahnkrone frakturiert, so ist das Dentin (Zahnbein) betroffen. Hier kommt es darauf an, ob auch die Pulpa (Zahnnerv) eröffnet wurde. Ist die Pulpa nicht eröffnet, so wird das Frakturteil durch eine Füllung ersetzt. Ist jedoch die Pulpa eröffnet, so besteht die Gefahr, dass sich die Pulpa infiziert und in dessen Folge abstirbt. Bei minimaler Pulpaeröffnung kann versucht werden die Pulpa durch eine sogenannte direkte Überkappung (Schutzschicht für die Pulpa) vital zu erhalten. Ist die Pulpa großflächig eröffnet, so sollte eine Wurzelbehandlung (komplette Entfernung der Kronen-und Wurzelpulpa inkl. Wurzelkanalfüllung) vorgenommen werden.

Die Wurzelfrakturen werden unterschieden einmal nach Lage des Frakturspaltes im unteren, mittleren und oberen Wurzeldrittel und nach Frakturlinienverlauf in Quer-, Längs- und Schrägfraktur. Bei Fraktur im unteren Wurzeldrittel kann das Fragment operativ entfernt werden unter Erhalt des Zahnes. Bei Fraktur im oberen Wurzeldrittel kann je nach Lage des Frakturspaltes der Zahn erhalten werden. Bei Fraktur im mittleren Wurzeldrittel ist der Zahnerhalt unsicher: es kann versucht werden den Zahn zu schienen.

Bei der Querfraktur kann der Zahn dann erhalten werden, wenn der Frakturspalt oberhalb des Zahnfleisches verläuft: eine dichte Füllung / Kronenversorgung ist somit möglich. Bei Wurzellängsfraktur ist der Zahn häufig nicht zu erhalten, insbesondere dann, wenn der Frakturspalt bis weit unterhalb des Zahnfleischrandes reicht. Hier ist die Differentialdiagnose für den Zahnerhalt ausschlaggebend: wo genau endet der Frakturspalt? Da das klassische 2D Röntgenbild insbesondere bei mehreren Frakturlinen in Folge von Überlagerungen keine exakte Auskunft über den Frakturlinenverlauf gibt, ist hier eine 3D Aufnahme erforderlich. Jetzt kann exakt  der Frakturlinienverlauf ermittelt werden. Im vorliegenden Fall war eine Kronenlängs- und Querfraktur  des oberen mittleren Schneidezahns vorhanden. Nach Entfernung der Zahnfragmente konnte der Zahn durch Reduzierung des Zahnfleisches bis zum Frakturspaltende, Wurzelkanalbehandlung und einer anspruchsvollen mehrschicht-mehrfarben Füllungstherapie in Adhäsivtechnik erhalten werden. (Dres. Sophie und Manfred Mainitz, Rammelsbach)

Download: frontzahnfraktur-gleich-zahnverlust